Ein Klotz am Bein - Georges Feuydeau

Der Lebemann und begehrte Frauenheld Ferdinand steckt finanziell tief in der Tinte. Dieser unangenehme Zustand soll mit der Heirat der jungen, steinreichen Baronesse Vivianne elegant behoben werden. Wenn da nur die Reize der schönen Chansonsängerin Lucette Gautier nicht wären, mit der Ferdinand seit geraumer Zeit ein amouröses Verhältnis pflegt! Lucettes Verlockungen nicht standhaltend windet sich Ferninand um die klärende Aussprache, welche das reizvolle Tête-à-tête beenden und die Verhältnisse in Ordnung bringen soll und sorgt dabei für heillose Verwirrung. Ferdinands beharrliches Winden führt zum prekären Höhepunkt, als am Abend seiner Verlobung ausgerechnet Lucette erscheint um anlässlich der Feierlichkeiten ihre betörende Stimme klingen zu lassen. Es folgt das Unausweichliche: Chaos, Verführung, Machtspiele, Tränen und am Ende vielleicht doch ein fin hereuse?

Der Autor

Georges Feydeau kam 1862 in Paris als Sohn des französischen Schriftstellers Ernest Feydeau auf die Welt. Ruhm und Schönheit bestimmten Ernest Feydeaus Leben und so heiratete er nach dem Tod seiner Frau die dreiundzwanzigjährige Polin Leocadia Zélewska, welche in den Salons von Paris für ihre Schönheit berüchtigt war. Eine Affäre mit dem Duc de Morny und Napoleon III wurden ihr auch noch nach der Eheschließung mit Feydeau nachgesagt, womit die Frage nach der Vaterschaft des kleinen Georges in dubioses Licht fiel. Ernest Feydeau selbst starb 1873 an den Folgen eines Schlaganfalles. Inmitten dieser abenteuerlichen Umstände, duzender Umzüge, einer erneuten Heirat der Mutter und einem Lebensstil der stets die finanziellen Möglichkeiten überstieg, wuchs Georges Feydeau als munteres, intelligentes Kind auf. Ein Theaterbesuch mit seiner Gouvernante Marie brachte den siebenjährigen zur Erkenntnis: er musste zur Bühne! Nach einer turbulenten Schulzeit auf dem Lycée St. Louis veranstaltete er mit seinem Freund Alfred Louveau regelmäßige Soirres in den Salons von Paris, wobei Feuydeaus selbstgeschriebene Parodien und groteske Monologe stets den größten Applaus ernteten. Nach überstandenem Militärdienst und dem erfolglosen Versuch als Journalist Fuß zu fassen, holte ihn sein Freund Louvau als Generalsekretär ans „Théatre de la Renaissnace“. Die Premiere seines Stückes Der Damenschneider im Jahre 1886 war ein grandioser Erfolg. Folgende Stücke konnten den Erwartungen des Publikums nicht mehr standhalten. Die durch diese Pleiten entstandenen Geldnöte erledigten sich mit der Heirat der vermögenden Malerstochter Marianne Carolus-Duran. Die finanzielle Rückendeckung beflügelte Feydeau und er wurde wieder von der Muse (vermutlich aber durch mehrere) geküsst. Im Akkordakt veröffentlichte er einen Bünnenrenner nach dem anderen. Für das Théatre du Palais-Royal schreibt er 1890 das Stück Ein Klotz am Bein. Die Fertigstellung der Komödie zieht sich aber in unvorstellbare Länge, da sich immer wieder ein Stück mit ähnlichen Handlungselementen findet, welches promt im Paris aufgeführt wird und sich Feydeau sogleich zurückhält um sich nicht des Plagiates schuldig zu machen. Die langersehnte Uraufführung im Jahre 1884 war dafür ein voller Erfolg. 1909 kommt es zur bitteren Wende: die Familie Feydeau zerbricht an den finanziellen und amourösen Ausschweifungen des exzessiven Familienoberhauptes, welches sich fortan im Hotel Terminus zurückzieht. Dieser Rückzug sollte ganze 10 Jahre dauern, in denen sich die schriftstellerischen Aktivitäten nach und nach ganz einstellten. Gebrochen und durch die Folgen der Syphilis geistig schwer umnebelt wird der große Lebemann 1919 von seinen Söhnen in eine klinische Anstalt gebracht, in welcher er 1921 einsam stirbt.